Der alte und neue Gottesacker
Gestorben und begraben
So hart es klingt, zum Leben gehört unausweichlich das Sterben und das darauffolgende Abschied nehmen mit Bestattung.
Älteste Zeugnisse von Bestattungen sind in unserer Region keltische Grabstätten im Umkreis der Heuneburg.
Auf der Unlinger Gemarkung gab es mehrere Grabhügel, sie sind inzwischen durch die landwirtschaftliche Nutzung soweit eingeebnet, dass sie nicht mehr mit bloßem Auge erkennbar sind. Mit Hilfe modernster Technik können Spezialisten sie noch lokalisieren. Vor rund hundert Jahren waren Grabhügel noch so gut zu erkennen, dass Theodor Selig am „Hexenbuggel“ genannten Grabhügel im Unlinger Ried Nachforschungen vornahm. Da dabei nicht viel zutage kam, schloss er aus seinen Erkundungen, dass es sich um ausgeraubte Gräber handeln müsse.
Sterberegister
Das Sterben gehörte früher mehr als heute zum Alltag. Dennoch war jeder Todesfall genauso wie heute für die Familienangehörigen und Freunde ein bitteres Erlebnis. Besonders hart hat das Sterben die Mütter getroffen. Es ist heute kaum mehr vorstellbar, wie viele Kinder während und nach der Geburt zu Tode kamen. Den Aufzeichnungen in den Sterberegistern können wir entnehmen, wie grausam häufig Kinder ums Leben kamen. Sterberegister werden in Unlingen seit 1675 lückenlos geführt. Vor genau zweihundert Jahren sind im Verlaufe des Jahres 1818 24 Verstorbene verzeichnet, 12 davon waren Kinder. Als Todesursache ist oft „gewöhnlich“ angegeben, was auf grausame Weise zeigt, wie man dieses Sterben gesehen hat. Dieses Jahr 1818 hatte eine unterdurchschnittlicher Zahl an Verstorbenen. Der Durchschnitt der Jahre 1800 bis 1870 lag bei 34 Verstorbenen.
Der Begräbnisplatz neben der Pfarrkirche
Wie in vielen Gemeinden wurden auch in Unlingen über viele Jahrhunderte hinweg die Verstorbenen neben der Pfarrkirche begraben. Zwischen der Pfarrkirche und der Mauer des Kellhofberges befand sich der eng begrenzte Gottesacker. Der für die Gräber zur Verfügung stehende Platz hatte nur eine Fläche von rund 700 Quadratmeter.
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Bild-Ausschnitt Ortsplan 1826
Pfarrer Matthäus Cornelius Münch trat im Alter von 59 Jahren am 26. Mai 1830 seine Pfarrstelle in Unlingen an. Zweieinhalb Monate später hatte er seine erste Beerdigung durchzuführen, dies war schon der 25. Todesfall des Jahres. Am 16. August wurde das an Lungenentzündung verstorbene Mädchen bestattet. Bis zum Jahresende 1830 summierte sich die Zahl der Verstorbenen auf insgesamt 38. Sechs weitere Kinder musste der Pfarrer in seinem ersten Unlinger Jahr beerdigen.
Bis zum Ende seiner 22 Jahre als Pfarrer in Unlingen verstarben laut Sterberegister 866 Menschen, also pro Jahr beinahe 40, die in unmittelbarer Nachbarschaft seines Pfarrhauses neben der Kirche begraben werden mussten.
Beim Antritt des Seelsorgedienstes fand Pfarrer Münch keine Gottesdienstordnung vor. So begann er selber eine genaue Beschreibung, wie die Gottesdienste und andere kirchliche Ereignisse in Unlingen gestaltet wurden. Dank seiner Gottesdienstordnung aus dem Jahr 1830 (Pfarrarchiv) wissen wir genau, wie vor beinahe zwei Hundert Jahren das Kirchenjahr begangen wurde. Er beschreibt auch genau, wie damals die Beerdigungen vollzogen wurden.
Für die Leichen der Kinder ist kein besonderer Begräbnisplatz vorhanden, sondern sie werden jedes Mal der Gottesackermauer entlang beerdigt
„Die Leichen werden hier nach der Reihe beerdigt, was um desto nothwendiger ist, je beengter der Begräbnisplatz um die Kirche selbst ist. Der Pfarrer hat genau darauf zu achten, dass die Gräber die gehörige Tiefe bekommen, was von den Todtengräbern dahier leider wenig berücksichtiget wird. Auch soll er darauf Bedacht nehmen, dass die jeweiligen neuen Gräber fest zu getreten werden, weil dieses sonst nur zu gern unterlassen wird.“
Ein weiterer Missstand ist im Pfarrarchiv dokumentiert. Es war in Unlingen im Jahr 1836 üblich, die Toten ohne geschlossenen Sarg zu bestatten, was von den Behörden dann untersagt wurde.
Die Notwendigkeit eines neuen Gottesackers
Pfarrer Münch erkannte wohl sehr schnell die Notwendigkeit, mehr Platz für die Gräber seiner verstorbenen Gemeindemitglieder zu haben. Durch den Platzmangel konnten auch keine langen Ruhezeiten eingehalten werden. Zudem waren schon damals die gesundheitlichen Gefahren, die davon ausgingen waren bekannt. Matthäus Münch war nicht nur Pfarrer und Theologe, der viele Bücher verfasste. Er kümmerte sich neben der Schulaufsicht, wie wir aus Quellen des Pfarrarchivs wissen, auch um die medizinisch-gesundheitlichen Probleme des Dorfes, denn ein drängendes Problem der damaligen Zeit waren neben mangelnder Hygiene, die immer wieder auftretenden Epidemien.
Obwohl es über Die königlich württembergische Regierung des Donau Kreises an das königlich fürstlich Taxissche Amt Ober-Marchtal
eine behördliche Anordnung zur Anlage eines neuen Begräbnisplatzes gab, gab es diesbezüglich keine konkreten Fortschritte.
„Der Gemeinderat zu Unlingen wird nun angewiesen von dem bereits dort ausgemieteten Begräbnisplatz, 100 Schritte vom Orte entfernt, in den … Täfern, die Lage, Größe und Beschaffenheit des Gewandes, ob dasselbe nicht feucht oder steinigt seye, … sogleich anzuzeigen und zugleich das Gutachten des Oberamtsarztes … zu Riedlingen hierüber beizubringen, wobei auch zu untersuchen ist, ob der über den Gottesacker führende Luftzug nicht gewöhnlich seinen Lauf über den Ort Unlingen nehme.“
Es gelang Pfarrer Münch nicht, wegen der zu erwartenden Ausgaben die Gemeinde dazu zu bringen, einen neuen Friedhof außerhalb des Dorfes zu verwirklichen. Schließlich bat er in einem Schreiben die zuständige Medizinalbehörde in Stuttgart sozusagen um diskrete Amtshilfe:
„Indessen muß das Pfarramt doch die Notwendigkeit der Anlegung eines neuen Begräbnisplatzes zur Sprache bringen, da der gegenwärtige um Vieles zu klein ist, und man Gefahr läuft, bei epidemischen Krankheiten die Verstorbenen auf demselben nicht beerdigen zu können.
Da aber die Anlegung eines neuen der Anzahl der Bewohner des Pfarrortes in räumlicher Beziehung entsprechenden Gottesackers mit bedeutenden Auslagen verknüpft ist, und der Pfarrer nicht gern den Antrag hiezu laut aussprechen darf. So wünscht derselbe, dass die Hochlöbliche Königliche Medicinal-Visitationscommission die Notwendigkeit dieser Anlegung selbst vermitteln möchte, ohne dabei den Pfarrer zu compromittieren.“
Vergebliches Bemühen
22 Jahre war Münch Pfarrer in Unlingen, wohnte die ganzen Jahre neben dem alten Gottesacker, kämpfte vergeblich um dessen Verlegung. Schon viele Jahre vor seinem Tod hat er erfolglos begonnen, für einen neuen Begräbnisplatz zu kämpfen. Pfarrer Münch bekam seine letzte Ruhestätte auch auf dem bisherigen Gottesacker neben der Pfarrkirche. Sein Grabmahl lag an der westlichen Ecke bei der Sakristei, blieb dort hundert Jahre lang bis zur Kirchenrenovation 1952 erhalten.
Er starb am 12. Januar 1853, hochgeachtet und geadelt. Für seine segensreiche Tätigkeit für Kirche und Schule wurde im Jahr 1848 von König Wilhelm I. mit dem Ritterkreuz erster Klasse des Kronordens, das mit Personaladel verbunden ist, ausgezeichnet.
Friedhof Ehinger Straße, Erste Bestattung
Als man in Unlingen einen neuen Friedhof anlegte, äußerte der damalige Pfarrverweser den Wunsch, dass der erste Verstorbene, der dort begraben werden sollte, ein „Jüngling“ sein sollte.
So kurios der Wunsch auch klingen mag, es geschah tatsächlich so.
Am 12.2.1855 verstarb der ledige Salpeterergehilfe Meinrad im Alter von 74 Jahren. Er fand am 14. Februar 1855 seine letzte Ruhestätte auf dem neuen Gottesacker.
Im Totenbuch ist kein Familienname angegeben, man wusste in Unlingen wohl nicht, wer seine Eltern waren. Es ist vermerkt, dass er aus Langenenslingen stammte.
Nur wenige Monate danach verstarb auch der letzte Salpeterer, der Unlingen seinem Gewerbe nachging. Franz Josef Bauknecht verstarb am 29. Mai 1855. Auch er wurde auf dem neuen Friedhof begraben, ganz in der Nähe seiner „Saliterei“, wo er sein Gewerbe ausübte. Die Familie Bauknecht besaß in Unlingen über vier Generationen hinweg das Salpeterpatent.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstarben in Unlingen durchschnittlich 33 Einwohner. In absoluten Zahlen: In den Sterberegistern sind von 1800 bis 1855 namentlich 1842 Sterbefälle verzeichnet. Darunter befinden sich für diese Zeit üblich sehr viele Kinder.Sie alle wurden bis zum Jahr 1855 auf diesem knappen, beengten Begräbnisplatz neben der Pfarrkirche bestattet.
Die Begräbnisstätte der Klosterfrauen
Gruft in der Klosterkapelle
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Die Gruft wurde erbaut, als 1729 die erste Klosterkapelle erweitert wurde.Die erste Schwester, die in der Gruft beigesetzt wurde, war die Klostervorsteherin Maria Johanna Mangoldin. Am 1. März 1731 fand sie hier ihre letzte Ruhestätte.1777 wurde zum letzten Mal in der Gruft eine Schwester beigesetzt.
Die Grabstellen sind seit 2000 zugemauert.
Ein Notfall: Bei einem Visitationsbesuch im winterlichen Januar kam ein Pater krank im Kloster an und verstarb schnell. Kurzerhand wurde er inmitten der Klosterfrauen in der Gruft bestattet.
Quellennachweise
Quelle 1
Pfarrer Münch beschreibt 1830 den Ablauf einer Beerdigung
Gottesdienstordnung für die Pfarrkirche in Unlingen, Pfarrer Münch, 1830, Pfarrarchiv Unlingen
Leichenbegräbnis
Ist die Stunde zur Beerdigung da, so begibt sich der Pfarrer in kirchlicher Kleidung in die Sakristei, und von da mit dem Mesner und den Ministranten zur Wohnung des Verstorbenen, segnet daselbst die Leiche ein, und begleitet dieselbe – hinter der Bahre gehend – auf den Begräbnisplatz. Auf dem Wege von der Wohnung des Verstorbenen bis zum Gottesacker wird gebetet oder gesungen. Das Uebrige, wenn man beim Grabe angekommen ist, wird nach der Vorschrift des Bistums-Rituale besorgt.****Am Grabe wird jedes Mal ein kurzer Leichensermon gehalten, ohne dass man dabei particularisiert. Nach diesem werden die Besingnisse und zugleich die Messe für den Nächststerbenden verkündet. Diese Besingnisse werden, wenn kein Sonntag dazwischen kommt, unmittelbar nacheinander gehalten, wobei gewöhnlich, wie am Tage der Beerdigung, ein Seelenamt stattfindet, und darauf das Grab des Verstorbenen wieder besucht wird. Dabei werden dann die Psalmen Miserere und de profundis mit der gewöhnlichen Oration abgebetet.
„Die Leichen werden hier nach der Reihe beerdigt, was um desto nothwendiger ist, je beengter der Begräbnisplatz um die Kirche selbst ist. Der Pfarrer hat genau darauf zu achten, dass die Gräber die gehörige Tiefe bekommen, was von den Todtengräbern dahier leider wenig berücksichtiget wird. Auch soll er darauf Bedacht nehmen, dass die jeweiligen neuen Gräber fest zu getreten werden, weil dieses sonst nur zu gern unterlassen wird.
Für die Leichen der Kinder ist kein besonderer Begräbnisplatz vorhanden, sondern sie werden jedes Mal der Gottesackermauer entlang beerdigt.“
Gottesdienstordnung, siehe bei Pfarrer Münch
Quelle 2
Beerdigung ohne geschlossenen Sargdeckel
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
„Es ist dem Amt zu Kenntniß gekommen, dass in Unlingen noch die fatale Gewohnheit bestehen solle, die Leichname ohne geschloßenen Sarge zu Erde bestatten. Da nun ein solches Verfahren gegen die Medicinalpolizei Gesetze anstoßt und hierdurch sehr leicht Ekel und Ansteckung werden kann, so wird unter … Strafe von 4 Reichsthaler …angeordnet, dass … keine Leichen ohne geschlossenen Sarg Deckel beerdigt werden dürfen.“
Nota: Diese wohlthätige Ordnung wurde zufälligerweise bei einer Lehrer-Conferenz in Dietelhofen 30. Aug. d. J. veranlaßt, da von der Beerdigung dahier, wie sie bis daher vorgenommen wurde, in Gegenwart der ganzen Bezirksbeamten gesprochen wurde, und verdient den innigsten Dank.
Pfr. Münch
Anmerkung
Bei einer Lehrerkonferenz in Dietelhofen am 30. August 1836 wurde über die rückständigen Gepflogenheiten der Bestattungen gesprochen. Über die anwesenden Bezirksbeamten bekam das zuständige Stuttgarter Amt davon Kenntnis. Unmittelbar nach vier Tagen wird ein amtliches Schreiben mit Strafandrohung an das Pfarr- und Schultheisenamt gerichtet.
In Unlingen war es um das Jahr 1836 üblich, die Toten ohne geschlossenen Sarg zu bestatten. Bezirksbeamte erfuhren davon und die zuständige Regierungsstelle reagierte sofort mit Strafandrohung:
Die behördliche Ordnungsanweisung bezeichnet Münch dankbar als wohltätig.
Quelle 3
Behördliche Anordnung, 1837: Neuen Begräbnisplatz zu planen
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
Abschrift
Die königlich württembergische Regierung des Donau Kreises an das königlich fürstlich Taxissche Amt Ober-Marchtal
Aus dem Berichte des königl fürstl Amts des 29ten … hat man erfahren, daß die Begräbnisplätze in Obermarchtal, Bremelau, Unlingen und Unterwachingen mitten in den Orten gelegen sind und jedenfalls einer Erweiterung bedürfen. Es wird daher dem K. fürstl. Amte hiermit der Auftrag erteilt, mit aller Strenge darauf zu drängen, daß ungesäumt in genannten Gemeinden schickliche von den Wohnungen entfernte Plätze zu Gottesäckern ausgemietet werden und in Fällen, wo … Verhältnisse hindernd eintreten sollten, hat das Amt mit dem fürstlich Taxisschen Rentamt zu communizieren. Jene nun ausgewählten Begräbnisplätze sind sodann für alle Fälle, nicht bloß für Epidemiefälle zu gebrauchen.
Ulm, den 5ten Jan. 1837
Anmerkung
In einem amtlichen Schreiben wendet sich die Regierung des Donau-Kreise an das Taxis`sche Amt in Obermarchtal mit der Anweisung in Unlingen einen Begräbnisplatz außerhalb des Dorfes anlegen zu lassen.
Quelle 4
Gutachten erstellen lassen
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
Der Gemeinderat zu Unlingen wird nun angewiesen von dem bereits dort ausgemieteten Begräbnisplatz, 100 Schritte vom Orte entfernt, in den … Täfern, die Lage, Größe und Beschaffenheit des Gewandes, ob dasselbe nicht feucht oder steinigt seye, … sogleich anzuzeigen und zugleich das Gutachten des Oberamtsarztes Dr. … … und Unteramtsarzts Dr. Kuhn zu Riedlingen hierüber beizubringen, wobei auch zu untersuchen ist, ob der über den Gottesacker führende Luftzug nicht gewöhnlich seinen Lauf über den Ort Unlingen nehme.
Binnen 4 Wochen ist über den Vollzug dieser Weisung … Anzeige zu machen. … sind aber sogleich hierher zu melden.
Obermarchal … 17. Jan. 1837
Anmerkung
Die Gemeinde hat inzwischen einen Platz für den neuen Friedhof bestimmt. Über ein Gutachten von Amtsärzten soll die Tauglichkeit geprüft werden. Es wird Dringlichkeit angemahnt.
Pfarrer Münch wendet sich mit einem Schreiben an die Königlichen Medicinal-Visitationscommission und bittet das Amt, einen behördlichen Antrag zur Neuanlage eines Begräbnisplatzes zu stellen.
Quelle 5
Pfarrer Münch bitte die zuständige Behörde um Amtshilfe
Pfarrarchiv Unlingen. Schachtel 2, Friedhöfe
Der Hochlöblichen Königlichen Medicinal-Visitationscommission
wird hiemit die geziemende Anzeige gemacht, daß dießseits gegen die medizinal-polizeilichen Anordnungen im Ganzen keine Klage erhoben werden können. Indessen muß das Pfarramt doch die Notwendigkeit der Anlegung eines neuen Begräbnisplatzes zur Sprache bringen, da der gegenwärtige um Vieles zu klein ist, und man Gefahr läuft, bei epidemischen Krankheiten die Verstorbenen auf demselben nicht beerdigen zu können.
Da aber die Anlegung eines neuen der Anzahl der Bewohner des Pfarrortes in räumlicher Beziehung entsprechenden Gottesackers mit bedeutenden Auslagen verknüpft ist, und der Pfarrer nicht gern den Antrag hiezu laut aussprechen darf. So wünscht derselbe, dass die Hochlöbliche Königliche Medicinal-Visitationscommission die Notwendigkeit dieser Anlegung selbst vermitteln möchte, ohne dabei den Pfarrer zu compromittieren.
Unlingen den 12. Oktober 1839
Pfarramt Münch
Anmerkung bis zu diesem Zeitpunkt musste Pfarrer Münch schon 370 Bestattungen vornehmen.
Nachdem in der Angelegenheit sich immer noch kein Fortschritt abzeichnet, bittet er, dass die Behörde sich mit einem Antrag an die Gemeinde wendet und der Gemeindeverwaltung darlegt, wie notwendig ein neuer Begräbnisplatz wäre.
Es war ein von Pfarrer Münch gut ausgedachter Plan, die Behörde um Amtshilfe zu bitten, damit die Unlinger sich trotz der zu erwartenden Auslagen entscheiden, einen neuen Begräbnisplatz anzulegen. Doch die Angelegenheit scheint nicht erfolgreich gewesen zu sein.
Quelle 6
Zu Ehren von Matthäus Cornelius v. Münch,
Schwäbische Zeitung, Artikel,
Nachlass von Pfarrer Theodor Selig, Pfarrarchiv, Schachtel 130
„Ruhe in Frieden Leib des Hirten, im Schoße der Erde, aus der du gebildet! Selig in Gott ruhe der Geist, eingehaucht von oben, bis beide vereiniget, verklärt sind in Christus. Der da ist die Auferstehung und das Leben“.
Anmerkung
Am 12. Januar 1853 starb Pfarrer und Schulinspektor Matthäus Cornelius von Münch.
Er wurde wegen seiner segensreichen Tätigkeit für Kirche und Schule im Jahr 1848 von König Wilhelm I. mit dem Ritterkreuz erster Klasse des Kronordens, das mit Personaladel verbunden ist, ausgezeichnet.
Schon viele Jahre vor seinem Tod hat er begonnen, für einen neuen Begräbnisplatz zu kämpfen. Pfarrer Münch jedoch bekam seine letzte Ruhestätte auf dem bisherigen Gottesacker neben der Pfarrkirche, an der westlichen Ecke der Sakristei. Sein Grabmahl bliebt dort hundert Jahre lang bis zur Kirchenrenovation 1952 erhalten.
Quelle 7
Mahnschreiben des Oberamts Riedlingen
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
Dem K. Pfarramt Unlingen
Obgleich schon im Jahr 1840 die Verlegung des mitten im Ort befindlichen und überdiß in seinen Räumen beschränkten Kirchhofes zu Unlingen für ein Bedürfnis erkannt worden ist, so sind doch für die Verlegung des Begräbnisplatzes weitere Schritte bis jetzt nicht geschehen.
Man ist daher veranlaßt das K. Pfarramt zu ersuchen, über die Notwendigkeit für die Herstellung eines anderen Begräbnisplatzes zu sorgen, in gefälliger Bälde sich zu äußern.
Riedlingen, d. 29. Mai 1853
Anmerkung
13 Jahre nach seiner Bitte um Amtshilfe zur Anlegung einer neuen Begräbnisstätte befasst sich auch die Riedlinger Oberamtsbehörde mit dem Unlinger Gottesacker und sendet ein Mahnschreiben nach Unlingen.
Dieses Mahnschreiben trifft in Unlingen vier Monate nach dem Tode von Pfarrer Münch ein. Er bekam seine letzte Ruhestätte mit einer Ehrentafel westlich neben der Sakristei.
22 Jahre war er Pfarrer in Unlingen, wohnte die ganzen Jahre neben dem alten Gottesacker, kämpfte vergeblich um dessen Verlegung …
Quelle 8
Friedhofskreuz soll eine neue Fassung und ein neues Kruzifixbild aus Gusseisen bekommen
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
Auszug aus einem Stiftungsrat-Protokoll vom 17. März 1843
… der Stiftungsrathxx spricht den einstimmigen Wunsch aus, daß das auf dem Gottesacker stehende Krucifixbild samt Kreutz einer Reparatur und neuer Fassung unterstellt werden möchte, da solches dem beabsichtigten Zwecke nicht entsprechen und nach dem gegenwärtigen Stande nicht zur Erbauung dienen könne. Der Herr Pfarrer bringt auf diese Meinung in Antrag, daß zu diesem Zwecke ein Krucifixbild von Gußeisen auf der Eisenschmelz im sog. Laucherthal bestellt werden möchte, indem dasselbe nicht nur wegen seiner Dauerhaftigkeit wegen einem hölzernen vorzuziehen sey, sondern der Kosten überdies nicht viel höher zu stehen kommen werde.
Der Stiftungsrath stimmt ganz mit der Ansicht des Herrn Pfarrers überein …
Quelle 9
Vertrag mit Steinhauer und Maurer Bartholomä Ruf von Hailtingen
Lieferung eines Steines auf den Gottesacker
Pfarrarchiv Unlingen, Schachtel 2, Friedhöfe
Accord
Mit dem Steinhauer Bartholomä Ruf von Hailtingen wurde der … … folgender Vertrag abgeschlossen:
derselbe verspricht nach den vorliegenden Rissen einen Stein von rother Maße zu liefern. Der Stein muß die bezeichnete Größe und … … und … in der Dicke haben. Derselbe muß genau nach der Zeichnung angefertigt werden.
derselbe verspricht gedachten Stein für 32 fl. sage zwei-und dreißig Gulden auf den Gottesacker zu liefern und aufzusetzen.
nach Umfluß von drei Monaten vom heutigen Tage an, muß der Stein auf dem Gottesacker stehen, worauf der … Lohn sogleich in die Hände des Steinhauers niedergelegt werden soll.
Urkundlich dieses
Unlingen d. 30. März 1844
Bartholome Ruf Maurer und Steinhauer
Quelle 10
Die erste Bestattung auf dem neuen Friedhof
Sonntagsfreude, Beilage der … Zeitung, Jahr
Durch Dokumente kann nicht belegt werden, wann die erste Beerdigung auf dem Gottesacker an der Daugendorfer Straße war.
Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass dies nicht vor 1853 der Fall war, da Pfarrer Münch noch auf dem Gottesacker bei der Kirche seine Ruhestätte fand.
Über den Beitrag von Pfarrer Theodor Selig in der Beilage Sonntagsfreude der Schwäbischen Zeitung aus dem Jahr 1955 kann man entnehmen, dass die erste Beerdigung 1855 war. Der ledige Salpeterergehilfe Meinrad hat diese Ehre.
(Siehe Datei Salpeterer)
Quelle 11
Foto, Friedhofskreuz
Als Jahreszahl ist auf dem Sockel des Friedhofskreuzes auf dem neuen Begräbnisplatz ist eingehauen:
MDCCCLV 1855.
Quelle 12
Grabhügel, Gemarkung Unlingen
Th. Selig, Marktflecken Unlingen, Seite 33
Vorübergehende Siedler im ersten Jahrtausend v. Chr. hinterließen in unserer Gegend diese Grabhügel ihrer Herrscher. So ein Grabhügel war der sogenannte „Hexenbuckel" im Unlinger Ried, links von Riedweg dem Tiefried zu, ein kleiner Hügel, den der Kellhofer ums Jahr 1890 abgrub, weil nichts dort wuchs; dabei wurden Tongefäße von schwarzer und rötlicher Farbe, die teilweise mit Linien geziert waren und leider zerschlagen wurden, zutage gefördert. Andere Grabhügel befanden sich im ehemaligen Eichertwald; sie wurden ums Jahr 1851 eingeebnet. Auch der „Buckel" im Kurzen wird als Grabhügel erkannt, zwischen der alten und neuen Landstraße gelegen, vielleicht, wie die Oberamtsbeschreibung (S. 219) bemerkt, ein letzter Rest eines größeren Hügelgräberfeldes. Ob sich nicht auch beim Leeweg (Laiweg) am Breitenberg ein solcher Grabhügel befand? Freilich gabs damals noch kein Unlingen, aber diese Tatsachen beweisen, daß in jener vorchristlichen Zeit Menschen, deren Namen niemand von uns kennt, in dieser Gegend wohnten, wie ja auch der Bussen damals besiedelt war.