Gemeindeschreiber Krauß und Kob
Ortschronik Unlingen,
Gemeindearchiv Unlingen,
Bd. 195, Signatur B 19a, S.1
Seite 0
Urbary oder grund Böschrib
Der Gemeind Ohnlingen, über alte Geschichten, welche aus dem Alten herausgezogen, auch von welchen in kürzeren Jahren geschehen sind, in welchen auch enthalten, alle der Gemeind passiv und aktiv Kapitalien, welche die Gemeind zu verzinsen und hin zu nehmen hat, auch alle Gemeinds-Schriften an welchen etwas gelegen, wie sie hier Namen haben mögen, hier aufgezeichnet werden.
Die neueren auch bei Gesetz, damit nicht etwas durch Unachtsamkeit der selben oder durch Verlust dessen der Gemeind hin und wieder dürft willen zugefügt werden. Hiermit werde alle Gemeinds-Pfleger nachdrucksam ermahnt und vermahnt, auf dieselbe genau Achtung zu geben wohl in Verwahr zu nehmen, auch von einem Gemeinds-Pfleger zu dem anderen.
Nach dieser Schrift, wie sie hierin enthalten sind, ordentlich und getreulich aufzulisten, verbunden sein sollen demnach sich demnach alle hierin falls, erinnern und zu achten wissen und auch die Geschichten, an welche etwas gelegen, in dieses Buch einzuschreiben. Nicht ermangeln, dass durch Versäumnis dessen, wie oben genannt, nicht der Gemeind ein Schaden zugefügt werde.
Geschehen im kaiserl. österreichischen Flecken Unlingen, so man zählt 1790.
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Stichworte: Kirchenbau, Glocke
Anno 1713
Nach Erbauung der Kirchen hatte eine löbl. Gemeind ein ein eigentümblich glecklein in den Turm gehengen gehabt. Weillen aber der Herr Pfarrer Johanni Christoph Muschgart und bede Heilgl. Pfleger als neimlich Mathias Kraus und Balthasar Grießing die gemeind ersucht das besagte glöckhlein zu vergrößern ist aber solches von Mehr ersagte löbl. gemeind vergünnt und zugesagt worden mit dieser bedingung dass der gemeind zu Ihrem gebrauch zu Ewigen zeithen geruhiglich ohne alle widerred zu leiten habe sowohl zu der gemeind als als anderen hohen diensten
dies zur nachricht
1784
hat ein hochwirdiger Herr Pfarr und Decan Kleber vom aufgehobenen Kloster oder deßen aufhebungs Comision das kleckhlein so ruckwerts auf der Pfarrkirchen steht abgekauft und bezahlt der Gemeind zu einem Zigengleckhlein Eigenthumlich außermacht. Wenn ein sterbender in zigen ligen selbes geruhiglich ohne alle widerred leiten dürfe so oft es erforderlich ist.
1787
ist die Mitag Glocken um gegoßen worden und mittlest algemeinen beitrag einer anlag Mit 114 fl.
sind 4 Centhner verbessert und auf sie gelegt worden
Demnach sich die Gemeind zu erinnern weist
Ortschronik Seite 2
1751
1757
Ortschronik Seite 3
Anno 1708
Anno 1738
1769
Seite 3
Stichworte: Rekrutierung
Rekrutierung im Jahr 1795
Ortschronik Seite 4
1746
1778 Kapläne
1778
Den 20. Jenner ist Nikolaus Miller, von Schiltzburger Herrschaft gebürtig, in Haigner Pfad gehörig, in Ohnlingen gedienet, wegen einem Fehler von der Herrschaft Dürmentingen als Rekrut übergeben worden. Und ist ihm, Nikolaus, von der löbl. Gemeind das Bürgerrecht nebst einem Handgeld mit 50 f. und einer Karlin auf die Hand versprochen und geben worden.
Anmerkung am Seitenrand (unvollständig erhalten)
Dieser Nikolaus Miller ist in Freiburg auf dem ________ Blazt ausgestoßen worden wegen einer _____ Bauch _____ dem Fuß ______________
Ortschronik Seite 5
Stichworte: Rekrutierung, Oberdischingen
Den 26. Jenner 1795
Von den Ortsvorgesetzten noch Vorsehung Genacht auf die Rekrutierung, so sind beide Gemeindepfleger als Debudierte auf Oberdischingen zur dem Herr Herrn Exelentz Graf, bei Ihm ein Ansuchen gemacht. Ob es nicht aus dem Arbeitshaus für den Ort ein Bursche könnte übergeben werden. So hat Ihr Exelentz uns gleich versprochen, nämlich mit Namen Nikolaus Karrlockh, von Groß-Kizighofen gebürtig, gehörig in das Domkapitel Augsburg. So haben wir Ihr Excelentz gleich eine Erkenntlichkeit versprochen. Und ist von dem ehrsamen Gericht und auch löbl. Gemeind 12 Luidor zu einem __________ gegeben worden, in die Kanzlei 11 f., dem Herrn Registerater 5 f., dem Kanzleidiener und Zuchtmeister 2 f. 30 Xer., einem Mann wegen Ausführung der Sich 5 f. 30 Xer. Es hatte auch von dem Ortsvorgesetzten ein Attest Kocher Gentzburg müssen ausgefertigt werden und hat ihm, Nikolaus, müssen versprochen werden, als Hintersasse aufgenommen zu werden, nebst einem Handgeld mit 15 f., auch noch weitere Transportierungkosten mit ____, und ist für das Ort auf Broventure-Kontogente auf 6 Jahre übergeben.
Ortschronik Seite 6
Klosteraufhebung, Verkauf 69200 Gulden
Ortschronik Seite 7
1778 Huldigung in Scheer
Ortschronik Seite 8
Stichworte: Frankreich, Krieg, Einquartierung, Ausquartierung
5. tens 1790
1779 ist in Frankreich ein Krieg entstanden, von Seiten dem gemeinen Bebel und sind alle Potentaten wieder in aufgestanden.
Somit sin Seiten Österreich Allhier übernachtende Durchmärsche gegen Frankreich gezogen und Hausmannskost gegeben bis 1795
Im Jahr 1795 sind an Durchmärsch ausquartiert worden als 2406 Mann und 783 Pferde
1790 sind einquartiert 700 Mann
1791 in diesem Jahr 50 Mann
1792 in diesem Jahr 951 Mann
1793 in diesem Jahr 455 Mann
1794 in diesem Jahr 612 Mann
Summa 2768 Mann
Im Jahr 1795 sind an Durchmärsch ausquartiert worden als 2406 Mann und 783 Pferd
6tens
1793
Ortschronik Seite 9
7tens
1793
8. tens
1793
Stichworte: Rekrutierung, Spiel
Hatte man von Seiten Österreich für starke Rekrutierung ausgeschrieben und hatte es zu unserem Anteil betroffen 3 Mann. So hatte man keinen freiwilligen Mann bekommen und hat solches das Spiel entscheiden müssen. Hat bei diesem betroffen nämlich Baptist Munding, Vincentz Rieber und Lukas Hägele alle drei unter das Feuergewehr. So hat sich die Gemeinde allhier dahin verstanden und hat jedem Handgeld geben per 100 f. auf 6 jährige Kapitulation. Auch ist dieses Jahr noch ein Stück Knecht zu stellen ausgeschrieben worden und hat auch das Spiel müssen entschieden werden. So hatte es betroffen Vincintz Ries. Ach hatte die Gemeinde solchem Handgeld geben 33 f.
Im Jahr 1794
War abermals eine Rekrutierung ausgeschrieben worden. Hatte wiederum 2 Mann betroffen durch das Spiel, nämlich Antoni Hägele und Aloisius Wahl. Ist auf jeden Handgeld gegeben worden per 100 f.
Seite 10
weiters noch im Jahr 1794
Seite 11
Seite 12
Ortschronik Seite 13
Im Jahr 1795
War von der Gemeinde Ohnlingen an K.K. Naturalien vom Magazin Riedlingen nach Mengen und Saulgau geführt. Fass und Sach wegen dem entstandenen Krieg in Frankreich zur K.K. Armee geführt worden, als:
Erstlich an Mehlfass 1546 Stuck,
halten im Gewicht nach dem östr. Maß an per 8304 Zentner, 55 Pfd.,
an Salzfässlein 168 Stuck 168 Zentner
an Roggenfässer großen und Habersäcke jeden a 1 Zent. tut 1524 Zent.
Summafass 1714 St. 1569 Zent. 55 Pfd.
Jeder Zentner bis Mengen und Saulgau auf beide Stationen ist von K.K. Verpflegsmagazin Riedlingen per 1 einen Zentner bezahlt worden mit 9 Xer, welche Zahlung aber von der Gemeinds-Pfl. alle Monat, was ein jeder für Zentner geführt hat, ist bezahlt worden. Alsdann haben die Gemeindepfleger mit den Verpflegsmagazin-Herren nach ihrer Schicklichkeit abgerechnet. Die Zahlungs-Konsingnotion sind alle beisammen in der Gemeinds-Lade, welchen Datum von den Verpflegungsherrn Riedlingen sind an die Gemeindepfleger Ohnlingen bezahlt worden.
Derzeit Amann Joh. Georg Hermanutz, welcher sich hat weigern und nicht fahren wollen, so hat die Maierschaft sich dawider aufgehalten und vor dem Ehrsamen Gericht die Sich erörtert und so oft der ran an ihn kommen, hat fahren müssen.
Derzeit Lorentz Schenle und Matheus Hermanutz, beide Gemeindspfleger.
Ortschronik Seite 14
Es wahre auch im Jahr 1795
Den 5.ten Januar mit der Pfandschaft Bussen wegen Ausquartierung der K.K. Durchmärsche eine Abrechnung in Ohnlingen gehalten worden, für Mann und Pferd, als: Erstlich ist
für einen H. Oberleit in die Abrechnung zu bringen 2f.
einen Reitmeister 1 f. 30 Xer
einen Wachtmeister 1 f. 30 Xer
einen Ober- und Unteroffizier, für jeden 1 f. 30 Xer
einen gemeinen Mann 17 Xer
Ohnlingen bringt in Abrechnung, das Pferd 3 Xer
an Mannschaft: 2406 Mann, 7803 Pferd
Nach der Mannschaft, wie oben vorgeschrieben, kommt in die Abrechnung
(Unlingen) 843 f. 39 Xer
Altheim bringt in die Abrechnung 761 f. 24 Xer
Hailtingen 232 f. 39 Xer
Ofingen 91 f. 39 Xer
Dintingen 72 f. 52 Xer
Summa 2002 f. 13 Xer
Dieses, von jedem Orth in Abrechnung gebrachte Geld, ist nach dem Rustikall über die ganze löbl. Pfandschaft auf jeden Gulden zu zahlen, belofen mit 2 f. 21 Xer
Ohnlingen hat nach der Abrechnung missen herin bezahlen 46 fl. 24 Xer
Dirmentingen 60 fl 7 Xr (zusammen 106 fl. 31 Xr)
Altheim nimbt guth 2 fl. 58 Xr
Ofingen guth 22 fl. 53 Xr
Hailtingen guth 50 fl. 11 Xr (zusammen 89 fl. 2 Xr)
Ist nach Überschutz verblieben per 17 fl. 11 Xr
Ortschronik Seite 15
Im Jahr 1796, Joseph Schwarz, neue Schmitte,
Im Jahr 1795
Hagelwetter, Breitenberg, Flax, Kleh, Lein
ein so erschröckliches Hagelwetter, dass der ganze Breitenberger Esch mit Korn und der Dorfesch mit Sommerfrichten so erbärmlich verschlagen, dass man mit gewusst habe, dieselben abzukommen. Es hatte aber dann noch ville Garben geben, aber es ist bey villen Garben nicht der Mieh werth gewest, selbes zu dröschen … im Aichert und oberen Esch mit Flax und Kleh ist auch nicht Guth zum brauchen worden.
Ortschronik Seite 16
Noch auch dieses im Jahr 1796
waren wieder zu der K.K. Armeh an Mehl, Roggen, Fesen und Haber abgeliefert worden
Aus dem K.K. Magazin Riedlingen in die K.K. Magazin Mengen und Sulgau abgefieret Zentner in allem 16633 Zentner. Der Zentner ist von der löbl. Gemeind bezahlt worden mit 9 Xr d. die gantze Summa 2494 fl. 57 Xr. Von dem K:K: Mildar ist das gantz Jahr nichts bezahlt worden. An Millidar Vorspann auf jede Station ist vor das Pferd 1 fl. von der Gemeind bezahlt worden und in allen Vorpanns-Gefert abgeben worden: 1015 Pferd duth Gelt 1015 fl.
Mehr an K.K. Truppen und Einquartierungen durch das ganze Jahr 7387 Mann . Ohne die Obristen ist für den gemeinen Mann eine Vergütung gemacht und bezahlt worden per Kopf 24 Xr d. die gantz Summa 2954 fl. 48 Xr.
An K.K. Dienst-Pferd sind ausquartiert worden 2418 Pferd, per Kopf a 3 Xr bezahlt d. 120 fl.
Die H. Offizier und Obristen sind an Konto zahlt worden den Wirth.
1796
Hatte man eine 3 fache Kontribuzion oder eine 3 fache Ordinari. Ist xxxx sowohl damikal als Rustikal den Franzoßen bezahlen mißen, beläuft sich die gantze Summa 1552 fl. 30 Xr
Ortschronik Seite 17
Im Jahr 1796
marschieren die K:K: Druppen immerfort hin und her bis in August. Als dann rethorieren sie bis in das Bayrische, in kaiserliche Lande.
Laider Gott
Als dann rucken den 1ten Augst. diese endliche Durchmärsche an, hin und her, um die Monizion zu den Haubt-Armehen zu zu liefern. Über dieses wahr in Riedlingen ein Konfrintz abgeschlossen worden, wie sie im Anruckhen mießen verpflegt werden. Zu dieser Konfrintz hat ließen eintretten als erstlich Riedlingen, zweitens Hl.XTahl, drittens Fehringen und firtens das Pfandschaft Bussen.
Auf den 1ten August wahren in Riedlingen 5000 Mann angesagt worden. Zur Verpflegung dieser Mannschaft ist auf den Kopf 3 Schoppen Wein angeschafft worden und von den Konfrintzort hat es mießen nach Rebartion auf Riedlingen geliefert werden, auch Holz und Stroh. Dann sie sind noch als Feind angeruckt. Die nämliche Truppen hat endlich den Marsch von Ertingen noch über Sulgau und Biberach genommen und das Angeschaffte ein jedes Ort wieder in Riedlingen abhollen kennen. Man hatte auch auf Sulgau alle ehstreich. Nachbars-Orten Warthwegen stellen mießen auf 2 Mahl 24 Stund. Hernach sind sie wieder abgelegt worden, denn die Druppen sind maistens über Sulgau marschiert.
Den 7.ten Sept.
Seint beylaif 3000 Man als Freindt wieder herauf und zuruckh marschiert, doch haben sie niemandt beschediget als die Wirth mit Bier, Wein und Brott. Es haben auch einige bezahlt. Im Abmarsch seint bey dem Adler Wirth noch 10 Man eine Zeit mit einem Wagen sitzen geblieben. Dieße hat alles angefochten, das es hätte sollen __________ abgeben. Sie haben auch geripte Sachen faihl gebotten. Endlich seindt sie dovh abmarschirt, aber nichts bezalt.
Ortschronik Seite 18
1796
Der Feindt ruckht immmer sterckher
Ortschronik Seite 19
1796
Der Feindes Schaden
Ortschronik Seite 20
1797
Jahr so villes ausgestandem
„Wir haben in dießem Jahr Mannschaft bequartiert In allem 12212 Man und Pfertt 9169
Ortschronik Seite 21
1798
„In dießem Jahr wahren K.K. Gruppen einquartiert worden 1434 Man und 667 Pfertt.
„Nebst dießen wahren auch aus dem K.K. Magazin Riedlingen bis nach Gammertingen Mehl und Haber verfihrt worden 1059 Zentner 78 Pfund“.
1799 (KKChr. S. 21)
„Zur traurigen Nachricht können wir noch beybringen, daß der schedliche Franzosen Krieg immer noch dauert und wir taglich mit kaißerlichen Truppen durch Märsch von Tag zu Tag beleget werden.“
Ortschronik Seite 22
(1799)
Den 19.ten und 20.ten Mertz
Bei Ostrach kam es am 21. März zum Kampf, vier Tage später bei Stockach.
Beide Male gewannen die Österreicher unter Erzherzog Carl die Schlachten.
Gemeindepfleger und Chronist Krauß war Augenzeuge von Auseinandersetzungen in Herbertingen. Er musste dorthin Fuhrdienste unternehmen und kam nach der Schlacht auch nach Ostrach.
„Ich selber kam am 23ten auf Ostrach und sahe noch ville hundert Totte Man und Pfert auf dem Schlachtfeld in welche liegen. Auch die Häuser waren erbärmlich zugereicht und verschossen.“
(KKChr. S. 22

Transkription (Eberhard Schneider) der handschriftlichen Texte.
Die ersten Niederschriften wurden von den im Jahr 1798 gewählten Gemeindepflegern Balthasar Kob und Joseph Kraus vermutlich im Jahr 1790 geschrieben,.
Nach dem Vorwort beginnt die Ortschronik mit einem Rückblick auf wichtige Ereignisse, bevor die aktuellen Geschehnisse beschrieben werden.
In späteren Jahren übernehmen nachfolgende Gemeindepfleger und auch Bürgermeister die Aufgaben von Chronisten.Bei der Transkription wurde der Text von Kob und Kraus nur gering und behutsam an die heutige Schreibweise angepasst.
Seite 23, Jahr 1799
Als befreundete Verbündete rücken russische Truppen ins Dorf ein und verursachen großen Ärger
Ortschronik Seite 23
(1799) haben sich 3 bis 4 Tag aufgehalten
„dazu kamen noch den 10ten August daß erste Mahl russische Truppen an und wir hatten biß den 18ten August 7 mahl Einquartierung nebst einem Rasttag. Dießes rohe Volckh ist so unbendig geweßen, dan sie kommen alzeit in der Mitternacht und marschierten wider biß auf den Abend wider fort. Bey dißem rohen Volckh mußte man viel leiden und außstehen. Den sie konnten so guatt stählen, als der Feindt selbsten. Dießes unartige Volckh war so schamloß, daß sie gantz nackhert auf der Straße hin und her lauften und in der Kanzen fischeten. Dießes rohe Volckh aß ein Man mehr als Sonaten 3 Man, darzu mußte man ihnen noch alzeit, ehe daß sie aßen ein großes Glas voll Branntwein geben. Von solche unartigen Vilfreßer haben wir in dißen 8 Tagen 1899 Man bequartiert und 115 Ofizir. Vorspanspfert haben wir in dißen Tagen gebraucht 235. Die mehrsten machten Mersche von 8 biß 10 Stundt in dißen acht Tagen.“
Nach verlorenen Kämpfen ( bei Zürich ?) gegen die Franzosen zogen sich die russische Truppen zurück.„Da kommen diese edle Ritter nämlich die Koßackhen wider vor Riedlingen … dan mußten wir ihnen wider Holz und Stroh liferen.)
Ortschronik Seite 24
1799
Ich muß diese edle Ritter doch
„In dißem Jahr sein Soldatten einquartiert worden 8387 Man und 3538 Pfertt“ (KKChr. S. 24)
Ortschronik Seite 25
1800
„Im Monat Jenner wurde eine Regrutierung ausgeschrieben. Da hat es uns mit 2 Man getroffen. Den ersten haben wir angeworben mit Nahmen Joseph Hummel aus Großengstingen…
Der 2te hat mießen ausgespilt werden und hat den Konrad Munding getroffen. Doch hat er noch denselben Tag einen vor sein Geld anwerben können.“ (KKChr. S. 25)
„Gleich darauf haben wir wieder einen Freiwilligen angeworben … und haben ihm auf die Hand geben 40 Gulden.“ (KKChr. S. 25)
Gleich im April haben wir wider einen Rekruten gestellt mit Nahmen Fr. Joseph Schirmer Hirschwirt von hier und ihm zum Handgeld geben 122 Gulden. Die 22 Gulden auf die Hand und die hundert Gulden bey der Gemeinde zu 4 procinto verzinslich stehen.“ (KKChr. S. 25)
…
„Der Feind ist wirklich vor der Tir. Schon am 3.ten May ginge die K.K. Retirady an und dauerte Tag und Nacht gleich fort. Da hatte man nichts anderes zu thun, alß in allen Heyseren zu kochen, denn in diesen vier oder fünf Tagen wurden täglich 2-3000 Man gespeißten. Erbermlich waren die Leute geplagt.“ (KKChr. S. 25)
…
Ortschronik Seite 26
„Den 7. May abends um 8 Uhr haben wir die traurige Nachricht erhalten, daß bis morgen um 4 Uhr daß Hauptquartier bey uns einrücken werde, gleich daran haben wir alle Häuser durchsuchen müßen , alle große Kammern und die kleinsten elendesten Zimmer zu Offiziers Loschie machen müssen. da nun die Quartier allbereit gemacht gewesen, da mussten wir auf dem anderen Anger eine Brückh über die Kaizach schlagen, dann die 2.te Bruck in dem Briel, zwischen des Lorenz Schenle und Kelhofers Briel Wiß, die 3.te über das Bechle und dann die 4.te Brucken bei des Brangenbauren Gertle . Da haben wir in Zeit 2 Stunden disse 4 Brucken müssen machen haben und ist auch geschehen. Da ruckhten schon um 2 Uhr die Hauptarmee an und die Straßen konnten nicht mehr fassen die Leute und Wagen, welche bassieren. denn es bassieren so viel Leut, daß durch obesagten Brucken eine neye Straße war. Und so viel Leute und Wagen bassieren, daß man sich verwundert hat, daß die Welt so viel tragen konnte. Der Dorf Esch war wirkhlich winterig und es waren nicht 30 Jauchert, welche nicht belagert oder ganz ruiniert zu sein scheinen. Denn rings um das Dorf herum lagerten alle K.K. Druppen und man musste ihnen schon mehr als 20 Klafter Holz in das Lager führen. Uhm 4 Uhr puncto rückhte daß Hauptquartier an und General Cray kloschiert im Pfarrhof, der Erzherzog Ferdinand im Kloster. Alle Generale, Offiziers kloschieren da und dort, doch bald ist diße kostbare Einquartierung wieder verschwunden, denn um 8 Uhr rückten zu allen Winkeln die Generell und Offiziers aus und hatten zu tun über Kopf und Halß, damit sie noch vor den Franzosen auf Biberach und dann auf Mettenberg geben Ulm vorruckten. Die Armee rucket auch vor sich, denn sie glaubten, die Franzosen werden zu ihnen an den Bussen Berg ausrucken, aber sie waren gescheider und zogen sich nach Biberach, denn wenn an dem Bussenberg wär ein Schlag vorgegangen, so wären wir in der aller gresten Gefahr gewesen um unseren Heußer und sogar vielleicht Menschen um daß Leben zu kommen.“ (KKChr. S. 26)
Ortschronik Seite 27
„Da hatten den 8.ten May nichts mer übrig als noch etliche 60 Man liegend, welche nach dem im Dorf alles aufgezehrt war, sie noch 14 Stuckh Schwein niderstachen und selbe mitnahmen. Das ist die schönen Folgen vom Kaiserlichen Hauptquartier und dessen Armee. Nun sein wir wirklich ganz vogelfrey.“ (KKChr. S. 27)„Da kam der 9. May angebrochen, Forscht, Angst und Schrecken warr auf den Gassen wie auf den Heißer und alles zitterte wirklich, denn der Feind, die Franzosen, rückten schon wirklich über Breytenberg heran. Da kamen sie als wilde Löwen hereingeritten, gleich begehrten Wein und ihren Pferte Furasch. Diesse gäbe man ihnen gern, sie begehrten auch gleich zum Rekombatz 9 Luidor und disses musste man ihnen geben. Da kommen ungefähr 2 Hundert Infanteristen darzu, beyläfig 100 Hussaren und hundert Schassen mit einem General Lutange mit Nahmen. Disse begehrten 150 Luitor oder er laße das Ort ausrauben, dann solches anzünden. Man bittet und macht so gut als man konnte, damit aber das Ort nicht ausgeraubt werde und nun erst Feind besänftiget wurde, so hat man ihnen müssen geben 1100 Gulden, dem General 33 Gulden, dem Kapitän 11 Gulden, dem Trompeter 5 Gulden 30 Kreutzer und der Herr Pfarr hatte noch einen Wein, der musste ausgetrunckhen sein. Da machten sich disse erste Gäste von und fort bis auf Ober Marchtahl und taten dorten daß gleichen. Wir aber waren eine kleine Zeit ruhig.Als dann“ (KKChr. S. 27)
Ortschronik Seite 28
„mußten wir einen Wagen zu den Franzoßen stellen, welche 9 Wochen darbey sein mußten und sofort bald Wagenstellungen, bald Requisitionen, bald Kontributionen, biß endlich den 23.ten Juli, da bekommen wir 75 Infanteristen und 24 gaboleristen, welche erstere 8 Tage bleiben. Als dann bekomen wir 64 Mann Kavallery von den rotten bairische Hussaren, welche 33 Tag bey uns stand. Quartier gehalten und wir haben sie müßen verpflegen mit Furasch und den Leuten haben wir müßen geben Weiß Brot, Korn und 2-3 erley Fleisch und was ihnen den ganzen Tag eingefallen, daß wir gewunschen haben, wenn nur einmahl dießer _________ ________ ein End hette. Als dann kaum dieße kostbaren Gäste endlich fort und in Zeit 4 Wochen kommen sie wieder und blieben wieder bey uns 47 Tag.Sie waren so kostbar als zuvor. Neben diße täglichen Gäste hatten wir noch teglich Mye durch Marsch und Einquartierungen, daß wir endlich ganz überdrißig und des Lebenß satt werden, dan alle Wochen mussten wir auf den Steuer Gulden einen halben Zentner Hay zu Furasch liffern, der Haber wurde von der Gemeinde gekauft, also hatten wir dißes Jahr 12 Anlagen gegeben und doch bei der Gemeind noch über 9000 fl Schulden gemacht. In allem haben wir dißes Jahr ahn Soldatten einquartiert, von Gaualry 4845 Man, ahn Infantry 6354 Man, ohne das Hauptquartier und Ritterodu, ahn Offizier sein bequartiert worden 487 Man, welche ville hundert Guldengekostet haben, dießes zur Nachricht. Wenn ihr es lesset so habt wahres Mitleiden mit uns, daß wir bey einer so erbermlichen Zeit haben leben missen.Ortschronik Seite 29Nun geliebte Nachkommenschaft, da ich euch nun in wenigen Zeilen beschrieben habe die so erbermlichen Zeiten, dan ich kein großer Liebhaber bin villes zu schreiben, so habe ich euch nichts zu sagen als derft es wohl bedenken, dan es ist kein Wort geschriben, welches nicht solte mit einem eisernen Griffel in eine steinerne Taffel geschrieben werden, weillen wier schon voraus sehen, daß ihr noch lang werdet tragen mißen den Last, den wir euch bey jetziger Lage schon auf euren Nackhen legen. Wir bedauern zwar daß große Elend, aber was wir jetz leyden daß ist hart und bitter. Wir wünschen euch von Herzen, daß es bald ein Ende nemmen tette und noch vilmehr wünschen wir, daß ihr nicht eine solche Lage wie wir sein kommt. Ansonsten wer zu firchten, daß wie jetzo schon Religion und Sittenverderbniß genug in dem Land herumschwermen. Ihr mechten so unglückhlich sein und solche gar verliehren, welches ich nicht winsche, dan ich täglich zu Got bitte werde, solang mir Gott das Leben schenkhen wirt, daß wenn wir nun al daß Zeitliche kommen, daß er uns die großte Gab deß wahren Glaubens noch schenkhen wolle, welches bei jeziger Lage ziemlich gefährlich ist. Zu dießem Ende haben wir uns bede Gemeinds Pfleger eigenhendig underschriben nemlich Baltaßar Kob und Joseph Krauß, vonJahr 1798 biß 1800 Anfang und End den 20ten Dec.
Ortschronik Seite 30
gibt es nichtOrtschronik
Seite 31
Den 20.ten Decimber
Ortschronik Seite 34
1805
Hierauf wurde sogleich von Ihro K.K. Maiestet Franz den 2.ten eine Regruthierung ausgeschrieben. Da betraf es 3 Man, dieße wart ausgeschrieben den 4. September 1805 und mußte schleinigst volzogen werden.
Ortschronik
Seite 41
1806
Den 13. October wurde das Rekrutenspihl in Dirmendingen durch wirttembergische Comißäry vorgenommen. Es betraf unseren Ort allein 5 Man. Es ist mitelst Spihl geschehen, weil man darauf drang. Es kamen in dißer Musterung nur 7 Man heraus und fünf mußten ausgespihlt werden. Es betraf erstens Nykollaus Brandegger, 2.tens Georg Rettich, 3.tens Fidelis Munding, 4.tens Johannes Münßt und 5.tens Joseph Hurts/Rots? Bey der sambtlichen Gemeind wurde einem jedem verwilligt 15 fl. auf die Hand zu geben, nebst 3 X täglich Beylag.
Ortschronik
Seite 42
1806
Den 1.ten Dezb. wurden ebenfalls 2 Rekrutten durch das Spihl ausgehoben, als Xavery Hildibrand und Tomas Herter. Es wurde ihnen das nemliche versprochen wie den Vorigen, als einen jeden 50 fl auf die Hand, nebst täglich 37 X Beylag.Es mussten auch 3 _______ , welche vormahls dem oestreich. Kaiserl. gedienet haten, dem Kinig von Wirttemberg übergeben werden, Ignatzy Waldiner, Konrad Schmidt und Jakob Scherberger.Es wurde jedem von diesen Treyen mit gütlicher Verwilligung von der Gemeind 11 fl auf die Hand bezahlt. Es wurde auch bey der Gemeind so abgemacht, das wan sye anstatt der Rekrutten solten angenommen werden, der Gemeind es freystehe bey zu legen was man wolle.Den 14.ten October 1806 ist schon die erste Schlacht zwischen den Franzoßen und den Breißen vorgefallen.Ortschronik Seite 44 und 4518071806 sind wir zu könig. wirttembergische Maiestet übergeben worden und haben im ersten Jahr Rekrutten geben mießen als Johann Menth, Joseph Lutz, Konrad Redich, Johannes Greter, Nikolaus Braunker,1807 Xaver Hildenbrand, Ignatz Waldner, Jakob Scherberger, Konrad Schmid1808 ist Mathias Schwartz am 12. Augst. zur R. und auch in diesem Jahr Lukas Waldner übergeben worden.
Seite 80
1821
Zu wissen unserer Nachkommenschaft muss hier die am 2. November stattgehabt Feuersbrunst, welche morgens um halb 9 Uhr in der Scheuer des Mathias Rieber und Benedikt Schmid ausbrach, (beschrieben werden; eingefügt Eb. Schn.), welche Feuersbrunst, die aus der Kirche gehenden Leute weder Feuer noch Rauch bemerkten, bis endlich Joseph Ries, alt von hier, welcher sich etwas länger in der Kirche verweilt hatte, im nach Hause gehen, weil der Kirchweg ihn gerade dahin trug, sah dieser die Flammen schon bei allen Teilen obiger Scheuer herausbrechen sah. Auf dieses wurde sogleich Alarm gemacht, wo sich die mehrsten der Gefahr nicht ausgesetzten Leute versammelten, um diesen Flammen Widerstand zu leisten. Allein vergebens, sondern das Feuer drohte vielmehr die gänzliche Vernichtung des ganzen oberen Dorfes, weil durch immer heftiger blasender Wind die Flammen bis in die zwischen Unlingen und Mehringen gelegene Felder trug.Was geschah? Man hatte die im Dorf befindlichen Feuerlöschspritzer zwischen der Wohnung des Balthasar Kob und Georg Breckle seiner Scheuer aufgestellt, allwo man die Wohnung des Balthasar Kob als auch des Georg Bröckle seiner Scheuer mit Wasser zu überschütten Gelegenheit fand, so dass die Wohnung des Balthasar Kob, welche auch schon zu zu brennen begonnen, gerettet wurde.Während dieser Zeit hat sich ein Teil der arbeitsammen Leute auf die Dächer des Mathias Rieber und Xaver Hildenbrand begeben, allwo durch immerwährendes Herbeischaffen des Wasser auf diese Wohnungen auf diese Wohnungen immer mit Wasser überschüttet wurde. Allein da die Flammen schon schon beim Fenster ausbrechen die Scheuer ergriffen,so konnte sowohl die Wohnung des Xaver Hildenbrand als der Witwe des Joseph Beier nicht mehr gerettet werden. Jedoch war uns genommen ein Teil der Wohnung der schon bemerkten Witwe, aber mit Verlust der Dächer. Die Hälfte der Einwohner hatte beim Ausbruch dieses Brandes Umziehen ihr Haus und Habseligkeiten zu schaffen, indem wie oben schon gesagt, das Haus die gänzliche Vernichtung des oberen Dorfes bedroht hatte.Ein übriger Teil der arbeitsammen Leute, sowohl männlich als weibliches Geschlecht, von ältesten bis jüngsten, gelang es, durch menschenmöglichste Anstrengung der Feuer gleichsam als durch ein Wunder bis zur fremden Hilfe der heftisten Widerstand leisteten. So dass das Feuer mit Beschenkung der Scheuer des Mathias Rieber und Benedikt Schmid, der Wohnung samt Scheuer des Xaver Hildenbrand und Witwe des Joseph Beier nicht Weiteres in Flammen verzehrt wurde. So dann nahte sich die fremde Hilfe bis etwa um 10 Uhr, wo sodann die ermüdeten Einwohner ihrer gehabten Anstrengung enthebt worden sind und der Widerstand der Flammen bis Nachmittag 2 Uhr durch immerwährendes Wasserleiten fortgesetzt worden ist.Die Verwirrung der Einwohner lässt sich kaum denken, weil schon der erste Alarm das Feuer über alle Wohnungen des oberen Dorfes durch die Luft, wie schon gesagt, weiter getragen hat. Was aber diese Späne noch trauriger machte, war das Schreien die Unmündigen des ganzen Dorfes. Und doch blieb unerachtet des grässlichsten Ausbruches und der gänzlichen anscheinenden Gefahr mit Bedrohung der Vernichtung von gegen 40 Gebäuden bei der schon bemerkten Scheuer und Wohnungen, worauf sich der Schaden nach gerichtlicher Schätzung etwa auf 3400 f. beläuft, ohne in Rechnung zu bringen, was durch Ausziehen, Löschenwtellen zugrunde ging, welches Feuer sehr bedrohend war.Dieses der Nachkommenschaft zur Erinnerung hier aufgeführt, so geschehen.
Unlingen, den 4. November 1821 durch den derzeit aufgestellten Schultheiss Moosbrugger und Gemeindepfleger.