Kernmühle
Seit Jahrhunderten betrieben und umkämpft

Obwohl Truchsess Hans Ernst nie persönlicher Eigentümer des Grundstücks oder der Mühle war, ging er recht rücksichtslos in seinen Bemühungen vor, um sich der Mühle zu bemächtigen.
Nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, ausgehend von einer nicht eindeutigen Rechtslage, versuchte er mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, Abgaben zu erzwingen.
Den langen und erbitterten Kampf um die Mühle beschreibt Th. Selig ausführlich in seinem Unlinger Heimatbuch "Der Marktflecken Unlingen", 1930, und in einem mehrteiligen Bericht, der in der Schwäbischen Zeitung veröffentlicht wurde, 1926. Dieser Bericht ist mit nachstehendem Link aufrufbar.
>>>> Link zum Text von Th. Selig
Als Gewinner ging aus diesen Auseinandersetzungen im späten 17. Jahrhundert das Unlinger Frauenkloster hervor. Dank seiner tüchtigen Mutter Oberin Anna Johanna Hermanutz (1618 – 1689), der herausragenden Frau in der Unlinger Geschichte.

1676 hab ich das erste Mall den Kernmilleblatz gekaufft. Jetzund ist die Mülle wohl verstritten. Und von dem hochloblichen Gotshaus Zwiefalten der Grundtsgerechtsamen auch von den Kernmilerischen Erben die Erbsgerechtigkeit gekaufft. Und bezahlt. Darumbes Ihr einen kreffigen Brief vom hochlobl. Gotshaus, auch von den Erbsinhaber mehr den guathen Brieff auffzulegend habend. Jetzund hat weder der Graff, noch jemandt anderer im Geringsten nichts bey der Mihle noch bei anderen Gither, so in dem Uhrbuoch und im Brotcoll verzeichnet, im geringsten nichts zu suochen, noch zu sprechen. Sondern ist alles auffrecht und redtlich ererbt kaufft. Und bezahlt.
... gekauft und bezahlt ... jetzt hat weder der Graf, noch jemand anderer ... bei der Mühle ... im Geringsten was zu suchen ... noch zu sagen...
Kurz und prägnant beschreibt Anna Johanna Hermanutz, die Vorsteherin des Unlinger Frauenklosters nach erfolgreichem Kampf den Wiederaufbau der Kernmühle. Niedergeschrieben hat sie dies wahrscheinlich erst vierzehn Jahre später, als sie 1689 ein kleines Urbuch verfasste. Darin macht sie eine Aufstellung über alle besonderen finanziellen Maßnahmen und wichtigen Erwerbungen des Klosters während ihrer Zeit als Mutter Oberin. Dieses kleine von den Schwestern und ihr selbst niedergeschriebene Buch „Das kleine Urbuch des Klosters von Unlingen“ befindet sich im Unlinger Pfarrarchiv.
1677 den 5 Abbrillen ist die Mühle so wait gebracht, das wir Got sei Lob, das erste Mehl haben kendten mahlen und gerben.
1678 hab ich die Gemaindtsgerechtigkeit gekaufft umb 40 G. zur der Mihle
In diesem Jahr hab ich auch 13 G. ewigen Wax Zins beim alhisigen Hailigen abgelest
Item auch in diesem Jahr die Schair zur der Mihle gebauwen.
Dabei ist zu beachten, dass erst fünf Jahre zuvor die Klostergemeinschaft die neuen Gebäude fertiggestellt hat, die wir heute als West- und Ostflügel der Klosteranlage samt der dazu gehörigen Wirtschaftsgebäude kennen. Als zwei finanzielle und arbeitstechnische Kraftakte in kurzer Zeit würde man dies heute anerkennend würdigen.
Einige Jahre später hat die Klostervorsteherin die weitere Zukunft der Kernmühle geregelt. Der Müller erhielt genügend viel landwirtschaftliche Betriebsfläche zugewiesen, um seine Mühle und seine Familie zu unterhalten. Auf der anderen Seite erhielt das Kloster Naturalienzins und für das gewährte Kapital entsprechend Kapitalzins.
1687 den 14 Christmonat haben wir unserem Müller unser grundtaigen Mihle auf sein Leib- und Lebtag als ein Fallehen geliehen. Verspricht er uns jerlich aus der Mihle zur geben 18 Malter Früchten, 12 Malter Mihlkorn und 6 Malter Kern, den halben Thail muosß er auff Liechtmesß und den halben Thail auff Bartholome geben. Was wir gerben lassen zum Verkaufen darf er kain Lohn darvon nemmen. Gibt jerlich Haus und Hayzins 4 G. 30 Kr. Ein Vytl Ayer, 3 Hennen und 2 Entten. Für den Ehrschatz gibt er 100 G. jerlich mit 10 G. abzuzahlen.
Item im Dorffesch und was dazue geherth hat er 2 Jaucherth.
Item im Aicherthesch und was dazue geherth hat er 3 Jaucherth.
Braitenbergesch und was dazue geherth hat er 4 Jauchert und 3 fierenthailen.
Gibt jerlich aus einer jeden Jauchert festen 10 Vytl. Rockhen, Gersten, Erbos, Haber jedes 4 Vytl. Wiswar hat er 3 Mansmad und ein fierenthailen. Verzinst uns jerlich 230 G.
Dies sindt die Gietterwelche wir dem Kernmihler zue kauffen geben. Und das Gelth darzu geliehen, das ers hat kauffen kendten. Das Gelth muosß er verzinsen bis er eins nach dem andern abzahlt. Underdesen blaiben die Giether unsre Underpfandt, bis auf den letzten Heller.
Mehr ein Jauchert hinderm Aichert gibt uns auch die 4ete Garb daraus.
Wan die Mihle wider felig, megens mir verleihen nach unserem Gefahlen.
Jetzund ist unser Mihler uns schultig, für die Gither und was wir im für Gelth vorgestreckt haben (ohne den Ehrschatz) noch in allem 971 G. 40 Kr.
Zweihundert Jahre später (16. Oktober 1903) erwirbt Otto Kreutzer aus die Mühle von Matthäus Walter, Gastwirt aus Ulm.
Der Kaufpreis der Mühle und Hofstelle betrug 20000 Mark.
Julius Kreutzer ...
Sein Sohn Otto Kreutzer...
Stefan Kreutzer...

Kernmühle
UnlingenPfarrer Theodor Selig beschreibt in seinem Heimatbuch „Der Marktflecken Unlingen“ (Seite 258ff) auf seine anschauliche Weise die wechselvolle Geschichte der wichtigsten und ältesten Unlinger Mühle, der Kernmühle. 33.
Die Mühlen
Schon vor dem Jahr 1300 befanden sich zwei Mühlen zu bzw. bei Unlingen, darunter die Kellmühle. Nach 1300 taucht der Name Riedmühle auf. Diese Mühle lag unter dem Dorf, so daß darunter die Kellmühle verstanden werden kann. Ums Jahr 1306 waren zwei Mühlen an Hans von Hornstein verpfändet. Im Jahr 1361 ist von der kleinen Mühle die Rede. Dann liest man von einer Mühlstatt unter der Kellmühle, Schitismühle genannt, 1385 und 1415. Als die Kellmühle längst an das Kloster Zwiefalten verkauft war, besaßen die von Hornstein noch eine Mühle zu Uniingen. Da wird wohl die hintere Mühle gemeint sein. Letztere wird nach 1500 Dorfmühle genannt, weil sie beim Dorf liegt. Auch der Mühlberg an der Straße nach Möhringen deutet auf eine Mühle hin; man meint, er habe einst eine Windmühle getragen. Ums Jahr 1550 wird eine Schleifermühle zu Uniingen erwähnt. Heutzutage gehören drei Mühlen an der Kanzach zu unserm Ort, die Kernmühle (früher Kellmühle), die hintere Mühle (Dorfmühle) und die Sägmühle. Mit jeder dieser Mühlen war einst eine Ölmühle verbunden. Diese 3 werden hier näher beschrieben.
1. Die Kell- oder Kernmühle.
Diese älteste Mühle zu Unlingen gehörte einst mit dem Kellhof dem Kloster Reichenau. Von diesem erhielten sie die Habsburger als Lehen (im 13. Jahrhundert) und bezogen daraus 32 Schilling Zins. Auch zur Vogtei mußte diese Mühle zinsen. Ums Jahr 1306 war sie bereits an Hans von Hornstein verpfändet. Sie blieb österreichisches Lehen und wurde von Brun von Hertenstein an Rudolf von Friedingen i. J. 1385 verkauft. Herzog Friedrich v. Österreich überließ dem von Friedingen das Eigentumsrecht daran, worauf Rudolf die Mühle an das Kloster Zwiefalten verkaufte. Von diesem erhielt er sie wieder als Lehen. Als Unlingen unter die Herrschaft der Truchsessen gekommen war, mußte der Kellmüller, jedenfalls schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts diesen jährlich 7 Schilling 4 Heller Geldzins, sowie 1Malter Roggen Zinsen. Auch verlangte der Truchseß von Kellmüller auf Grund eines Urbars von 1415 die Unterhaltung eines herrschaftlichen Jagdhundes.
Merkwürdig sind die Schicksale der Mühle im 17. Jahrhundert. Ein Leibeigener des Klosters Zwiefalten, namens Jakob Götz von Zell, saß auf der Mühle, wo er vorher Müllerknecht gewesen war. Das Kloster befreite ihn von der Leibeigenschaft und forderte für die Auf- und Abfahrt (Übernahme und Wegzug) 6 fl., dazu jährlich 12 Malter Korn. Dagegen wurden die drei Zwiefalter Gemeinden Daugendorf, Bechingen und Zell in die Mühle gebannt, d. h. die Untertanen mußten dort ihre Früchte mahlen lassen. Der Sohn des Jakob Götz, Kaspar Götz, hatte noch jung kurz vor Einfall der Schweden die Mühle übernehmen müssen. Er konnte nicht lange hausen und verarmte infolge der Kriegsgreuel, Hungersnot und Pest. Seine Frau und sein einziges Kind waren bereits hinweggerafft, da ging er zur damaligen Oberin des Klosters Unlingen und bot ihr die Mühle samt Grundstücken an gegen wöchentlich drei Suppen und einen Laib Brot. Die Oberin konnte, so gern sie es getan hätte, nicht darauf eingehen, weil sie selbst verarmt war und den Truchsessen Wilhelm Heinrich fürchtete, der schon lange ein Auge auf die Mühle geworfen hatte, damals aber gerade auf der Flucht zu Konstanz war. Sie wies also den Müller an den Ammann Hans Stückle, und dieser verhandelte mit dem Truchsessen. Der aber war auch nicht imstande, die Mühle zu kaufen, weil er selbst so verarmt war, daß er Kreuzerbrot auf Borg leihen mußte. Er gab zur Antwort, der Müller könne die Mühle, die ja nur Lehen war, verkaufen an wen er wolle, nur nicht an den Prälaten von Zwiefalten. Müller Götz verkaufte dann die Mühle an die Bäcker von Riedlingen, welche ihm nichts als Kleie und Kleienbrot dafür gaben, die wohlerbaute Mühle abbrachen und Holz und Steine nach Riedlingen führten. So geschehen anno 1635 und 36. Kellmüller Götz aber stiftete für sich und seine Frau einen Jahrtag nach Uniingen und segnete das Zeitliche. Die Erben des Kernmühleplatzes waren Joseph König und seine Ehefrau, welche rückständige Hubzinse an den Truchsessen bezahlen sollten, weil von alters solche von der Kellmühle gefordert wurden. Etwa 4OJahre später wünschte die Gemeinde Uniingen, welche mit dem hinteren Müller nicht recht zufrieden war, daß die Kernmühle wieder aufgebaut werde. Wegen Wassermangels mußten zudem die Unlinger dann und wann ihre Früchte nach Altheim in die Mühle führen. Daher veranlaßte die Gemeinde die Erbinhaber des Kernmühleplatzes, zur Mutter Oberin des Klosters Uniingen zu gehen mit der Bitte, den Mühleplatz zu kaufen und die Mühle wieder aufzubauen. Lange zögerte die Mutter Anna Johanna Herma-nutz; endlich gab sie den vielen Bitten nach und erwarb den Platz um 55 fl. am 20. Dez. 1675. Sie versprach dabei, die Mühle mit einem Unlinger Bürgersohn zu besetzen. Sowohl der Truchseß Hans Ernst, als auch das Kloster Zwiefalten wurde bei dieser Verhandlung umgangen. Es war vorauszusehen, daß man mit beiden in Konflikt kommen werde. Truchseß Hans Ernst, der den Platz selbst gern gekauft hätte, erhielt Kenntnis von der Sache und protestierte sofort gegen den Kauf. Vergebens; denn die Bürger waren insgesamt für das Kloster eingenommen und wollten, dass dieses und nicht der Truchseß die Mühle wieder aufbaue. Letzterer erwirkte aber von der österreichischen Regierung in Innsbruck ein Verbot des Wiederaufbauens durch das Kloster. Nun bat die Mutter Oberin den Abt von Zwiefalten, ihr den Platz abzukaufen. Die Antwort lautete dahin, das Kloster Zwiefalten habe mit den Truchsessen genug ausgestanden, lasse sich mit ihnen nicht im geringsten ein. Noch mehr: Zwiefalten wollte auch sein letztes Recht an der ehemaligen Kernmühle an die Unlinger Klosterfrauen abtreten und auf alle Rechte am Platz verzichten. Das Kloster Uniingen mußte also auch diese Rechte erwerben, was im Jahr 1676 gegen Lieferung von Kirchenleinwand und Versprechen des Gebetes geschah.Ein Glück für die Klosterfrauen war es, daß die Gemeinde Unlingen auf ihrer Seite stand. Jetzt gab es ein Laufen nach Dürmentingen und Innsbruck. In Dürmentingen mußten sie Vorwürfe hören und Strafandrohungen, von Innsbruck aber kam für die Schwestern die Erlaubnis zum Bauen, aber auch Befehl zum Abbrechen der Mühle, wenn sie das Recht verlieren sollten. Da war guter Rat teuer. Bei 500 fl. Strafe hatte der Truchseß befohlen, nichts am Platz zu tentieren; wer Hand anlege, soll 150 fl bezahlen. Und nun diese unsichere Sentenz von der Regierung! Die Schwestern wollten sich zurückziehen und auch die 55 fl. in den Wind schlagen; die Gemeinde aber drang weiter zum Bau. Am Karsamstag ließ sie die Gemeindeangehörigen zusammenläuten, jeder mußte mit einer Axt in den Wald und einen Tag lang Holz hauen und zum Mühlplatz führen, damit nicht nur einer, sondern die ganze Gemeinde gestraft würde. Ein neues Verbot des Truchsessen wurde nicht beachtet. Der Bau wurde begonnen und bis zum Werksatz fortgesetzt. Dann gabs einen Stillstand. Nach weiteren Verhandlungen zu Dürmentingen, wohin der Ammann und Unterammann beschieden worden waren, ließ der Truchseß die Handwerksleute gefangen nehmen. So stand der Bau 11 Wochen lang unvollendet da. Schließlich schrieb der Vertreter des Klosters von Innsbruck, die Schwestern dürfen mit dem Bau fortfahren, es sei österreichisches Gut. Auch kam der Befehl, die Klosterfrauen sollen sich mit dem Truchsessen vergleichen, und zwar in Weingarten beim Landvogt. Aber ohne Erfolg reisten die Schwestern und Bürger wieder heim, fest entschlossen, die Mühle vollends aufzubauen.Im Frühjahr 1677 war der Bau vollendet, aber der Truchseß verbot das Mahlen. Alle Bitten der Gemeinde, Frucht mahlen zu dürfen, waren umsonst. Die Antwort war eine Strafandrohung von 500 Talern, wenn ein Rad umgehe. Kein Teil wollte nachgeben. Die Mutter Oberin befahl Kies aufzuschütten, wenn nichts anderes zum Mahlen da sei. Der Truchseß aber schickte Jagdhunde zur Mühle mit dem Befehl, dieselben zu unterhalten. Man jagte sie fort. Als die Mutter Oberin das Seil, womit ein Hund an den Tischfuß angebunden war, abschnitt, entriß ein Jäger ihr das Messer und drohte ihr dasselbe in den Leib zu stechen. Unerschrocken entgegnete sie: „In Gottes Namen, Ihr habt mir schon lang aufs Leben gedroht, ich darf deshalb nicht mehr auf den lieben Bussen gehen, weil Ihr mir auf das Leben geht". Auf seine Frage, woher sie das wisse, gab die Mutter die Antwort, er habe auf dem Bussenkirchhof geäußert, es schade nichts, wenn er eine alte Nonne erschieße. Dann machte sich der Jäger aus dem Staub; den Hund jagte man ihm nach. Die tapfere Oberin hatte gesiegt. Denn bald darauf lud Truchseß Hans Ernst die Prälaten von Marchtal, Elchingen, Wiblingen und Zwiefalten nach Zwiefalten ein, wo er einen goldenen Becher voll Wein über seine und der 4 Prälaten Hände hinabgießen ließ zum Zeichen, daß er den Klosterfrauen in Unlingen sein Recht an der Mühle schenke, damit man nicht sagen könne, sie haben es ihm abgenommen. Erst nach dem Tode des Abtes Joh. Martin Gleuz von Zwiefalten (t+1692) versuchten die Zwiefalter Beamten, einen gewissen Anspruch auf die Kernmühle zu erheben und verlangten Schadenersatz, ja drohten mit dem Landgericht und straften die Untertanen, wenn sie in der Kernmühle gerbten. Es war der Mutter Oberin ein Leichtes, den wahren Sachverhalt darzulegen und zu beweisen, daß Zwiefalten an der Kernmühle nichts mehr zu suchen hatte. Um die Mühle von Lasten möglichst zu befreien, wurden Zinse nach Heudorf und an die Unlinger Heiligenpflege abgelöst. Auch die zur Mühle gehörige Gemeindegerechtigkeit kaufte das Kloster, baute eine Scheuer und eine Ölmühle (1680). Dann wurde die Mühle dem Simon Moosbrugger aus Unlingen verliehen. Diesen belästigten die truchsessischen Beamten zu Dürmen-tingen wegen eines zu haltenden Jagdhundes. Im Jahr 1687 wurde ihm die Mühle auf Lebenszeit als Fall-Lehen überlassen gegen eine jährliche Abgabe von 18 Maltern Früchte, 4 fl. 30 kr. Haus- und Heuzins 120 Eier, 2 Hühner und zwei Enten; der Erschatz betrug 100 fl. Die Güter, welche zur Mühle gehörten, wurden ihm ebenfalls überlassen gegen eine bestimmte Fruchtabgabe. Im Jahr 1695 nahm Kaiser Leopold I. die Mühle in seinen besonderen Schutz. Als das Kloster Unlingen aufgehoben worden war, erwarb die Gemeinde Uniingen mit den übrigen Klostergütern auch die Kernmühle, welche damals in der Hand der Familie Störk war. Die Mühle hatte damals drei Mahlgänge und l Gerbgang; dazu gehörten Scheuer, 1Tagwerkerhäuschen, 2 Gärten, eine Gemeindegerechtigkeit, 4 Sämteile, Wieswachs und zwei Krautländer. Der damalige Kernmüller Störk trieb noch Klostergüter um, die von der Kirchenpflege herrührten. Die Mühle wurde zu 2380 fl. 57 kr. geschätzt und der Ertrag zu 83 fl. 20 kr. angegeben. Als ein Teil der ehemaligen Klostergüter in einer anderen Mühle gegerbt wurde, wehrte sich die Kernmüllerin Ursula Störk nach dem Tod ihres Mannes tapfer und erreichte, daß die Gemeinde Unlingen sich verpflichten mußte, alle errungenen Klostergüterfrüchte nur unter der Bedingung an benachbarte Kornhändler zu verkaufen, daß diese Früchte in der Kernmühle gegerbt würden. So wurde zu Stockach anno 1784 entschieden.Wie vordem das Kloster, so verlieh auch die Gemeinde die Mühle fortan als Fall-Lehen, aber stets an ein Glied der Familie Störk. Im Jahr 1852 wurden die Gefalle der Kernmühle abgelöst; diese betrugen bis dahin jährlich 103 fl. 36 kr. Das Ablösungskapital wurde auf rund 1750 fl. berechnet, die jährliche Rente auf 112 fl. 5 kr., 25 Jahre lang. Aber noch im gleichen Jahr, 20. Dez. 1852, verkaufte der bisherige Kernmüller Anton Störk die Mühle an Anton Schelkle von Göffingen um 20 200 fl. Hier seien noch die Namen älterer und neuerer Kernmüller beigefügt. 1507Hans Seh. von Riedlingen, 1530-32 Adam Höß, 1551Jos. Bötlin,1 582 bis ca. 1600 Kaspar Blank, 1600 bis nach 1620 Jakob Götz von Zell, 1628-30 Jakob Hermanutz, 1632-36 KasparGötz, 1681-1701 Simon Moosbrugger, dann die Witwe, 1708-42 Meinrad-Moosbrugger, 1742-53 Josef Zell von Essendorf, 1753-82 Gebhard Störk von Häberlesmühle bei Sießen, 1785-1837 Josef Anton Störk (Stärk), 1837-52 Anton Störk,1852-64 Anton Schelkle von Göffingen (nach Ravensburg), 1864-88 Josef Schelkle (nach Andelfingen), 1888-1903 Simon Knupfer, 1903 Otto Kreuzer (+1929), dann dessen Witwe. Die kurze, zusammenfassende Chroniktabelle kann einen Eindruck der wechselvollen Geschicht vermitteln. Es zeigt sich deutlich, wie von Anfang an versucht die Mächtigen versuchten sich der Mühle als Grundbesitz oder Lehen bemächtigten. Mit einem Mühlenbetrieb konnte man ordentlich Einkommen erzielen. Der jeweilige abgabepflichtige Müller profitierte nur wenig davon.Der Truchsess Hans Ernst, obwohl nie persönlicher Eigentümer des Grundstücks oder der Mühle, war recht rücksichtslos auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Ausgehend von einer nicht eindeutigen Rechtslage, versuchte er mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, zu seinem eigenen finanziellen Vorteil Einfluss zu nehmen.Als Gewinnwer ging aus diesen Auseinandersetzungen im späten 17. Jahrhundert das Unlinger Frauenkloster hervor. Dank seiner tüchtigen Mutter Oberin Anna Johanna Hermanutz (1618 – 1689), der herausragenden Frau in der Unlinger Geschichte.
Übertragung:1676 hab ich das erste Mall den Kernmilleblatz gekaufft. Jetzund ist die Mülle wohl verstritten. Und von dem hochloblichen Gotshaus Zwiefalten der Grundts-gerechtsamen auch von den Kernmilerischen Erben die Erbsgerechtigkeit gekaufft. Und bezahlt. Darumbes Ihr einen kreffigen Brief vom hochlobl. Gotshaus, auch von den Erbsinhaber mehr den guathen Brieff auffzulegend habend. Jetzund hat weder der Graff, noch jemandt anderer im Geringsten nichts bey der Mihle noch bei anderen Gither, so in dem Uhrbuoch und im Brotcoll verzeichnet, im geringsten nichts zu suochen, noch zu sprechen. Sondern ist alles auffrecht und redtlich ererbt kaufft. Und bezahlt.
So kurz und prägnant beschreibt Anna Johanna Hermanutz, die Vorsteherin des Unlinger Frauenklosters den Anfang der Beziehung zwischen Kloster und der Kernmühle. Niedergeschrieben hat sie dies wahrscheinlich erst vierzehn Jahre später, als sie 1689 ein kleines Urbuch verfasste. Darin ist eine Aufstellung über alle besonderen finanziellen Maßnahmen und wichtigen Erwerbungen des Klosters während ihrer Zeit als Mutter Oberin. Dieses kleine von den Schwestern und ihr selbst niedergeschriebene Buch „Das kleine Urbuch des Klosters von Unlingen“ befindet sich im Unlinger Pfarrarchiv. (Registriert unter , laufende Nr 52)
Übertragung:1677 den 5 Abbrillen ist die Mühle so wait gebracht, das wir Got sei Lob, das erste Mehl haben kendten mahlen und gerben.1678 hab ich die Gemaindtsgerechtigkeit gekaufft umb 40 G. zur der MihleIn diesem Jahr hab ich auch 13 G. ewigen Wax Zins beim alhisigen Hailigen abgelestItem auch in diesem Jahr die Schair zur der Mihle gebauwen.
Dabei ist zu beachten, dass erst fünf Jahre zuvor die Klostergemeinschaft die neuen Gebäude fertiggestellt hat, die wir heute als West- und Ostflügel der Klosteranlage samt der dazu gehörigen Wirtschaftsgebäude kennen. Als zwei finanzielle und arbeitstechnische Kraftakte in kurzer Zeit würde man dies heute anerkennend würdigen. Einige Jahre später hat die Klostervorsteherin die weitere Zukunft der Kernmühle geregelt. Der Müller erhielt genügend viel landwirtschaftliche Betriebsfläche zugewiesen, um seine Mühle und seine Familie zu unterhalten. Auf der anderen Seite erhielt das Kloster Naturalienzins und für das gewährte Kapital entsprechend Kapitalzins.
Übertragung:1687 den 14 Christmonat haben wir unserem Müller unser grundtaigen Mihle auf sein Leib- und Lebtag als ein Fallehen geliehen. Verspricht er uns jerlich aus der Mihle zur geben 18 Malter Früchten, 12 Malter Mihlkorn und 6 Malter Kern, den halben Thail muosß er auff Liechtmesß und den halben Thail auff Bartholome geben. Was wir gerben lassen zum Verkaufen darf er kain Lohn darvon nemmen. Gibt jerlich Haus und Hayzins 4 G. 30 Kr. Ein Vytl Ayer, 3 Hennen und 2 Entten. Für den Ehrschatz gibt er 100 G. jerlich mit 10 G. abzuzahlen.Item im Dorffesch und was dazue geherth hat er 2 Jaucherth.Item im Aicherthesch und was dazue geherth hat er 3 Jaucherth.Braitenbergesch und was dazue geherth hat er 4 Jauchert und 3 fierenthailen.Gibt jerlich aus einer jeden Jauchert festen 10 Vytl. Rockhen, Gersten, Erbos, Haber jedes 4 Vytl. Wiswar hat er 3 Mansmad und ein fierenthailen. Verzinst uns jerlich 230 G.Dies sindt die Gietterwelche wir dem Kernmihler zue kauffen geben. Und das Gelth darzu geliehen, das ers hat kauffen kendten. Das Gelth muosß er verzinsen bis er eins nach dem andern abzahlt. Underdesen blaiben die Giether unsre Underpfandt, bis auf den letzten Heller. Mehr ein Jauchert hinderm Aichert gibt uns auch die 4ete Garb daraus. Wan die Mihle wider felig, megens mir verleihen nach unserem Gefahlen.Jetzund ist unser Mihler uns schultig, für die Gither und was wir im für Gelth vorgestreckt haben (ohne den Ehrschatz) noch in allem 971 G. 40 Kr.
Zweihundert Jahre später (16. Oktober 1903) erwirbt Otto Kreuzer aus die Mühle von Matthäus Walter, Gastwirt aus Ulm. Der vorherige Müller Simon Knupfer hat sie nur 5 Jahre lang betrieben.Der Kaufpreis der Mühle und Hofstelle betrug 20000 Mark.
Julius Kreuzer
Sein Sohn Otto Kreuzer
Stefan Kreuzer
Seit ….. ist die Mühle stillgelegt.
Wasserkraft